Gehegeanforderungen

1 Gehegeanforderungen
1.1 Zur verhaltensgerechten Unterbringung müssen Gehege Mindestflächen und – raummaße (Länge,
Breite, Höhe) aufweisen, welche für die jeweilige Tierart eine funk- tionelle Ausstattung und
Strukturierung mit entsprechendem Reizspektrum ermögli- chen.

Bei der Dimensionierung und Strukturierung des Geheges sind die typischen und bevorzugten
Bewegungsformen und die räumliche Orientierung der betroffenen Art zu berücksichtigen. Viele
Primaten und Raubtiere klettern oder bevorzugen erhöhte Positionen als Ort der Orientierung.
Landsäugetiere nutzen und etablieren regelmä- ßig Wechsel, die sie im Freiland wie in menschlicher
Obhut bevorzugt zur Fortbewe- gung nutzen. Im Freiland ergeben sich Laufstrecken üblicherweise aus
der Verfügbar- keit und räumlichen Verteilung von Ressourcen wie Futter, Schutzzonen, Aufzuchtor-
ten und Paarungspartnern. Den gehaltenen Tieren werden diese Ressourcen weitge- hend zur Verfügung
gestellt, so dass der tatsächliche Raumbedarf für ein Individuum dort nicht direkt von der Größe
eines Streifgebietes im Freiland ableitbar ist.

Die Gehegegröße muss das Gruppenverhalten berücksichtigen und Raum bieten, um Maßnahmen zur
Lebensraumbereicherung durchführen zu können.

Jede Tierart muss entsprechend ihrem artspezifischen Verhalten den Raum in allen Dimensionen
optimal ausnutzen können.

1.2 Die Flächen- und Raummaße legen die kleinste jeweils zulässige Gehegegröße fest. Die
Gehege dürfen auch nicht kleiner sein, wenn weniger als die in dem Gutach- ten genannte Zahl an
Tieren gehalten wird. Die Gehege müssen von allen Tieren ganzjährig zeitgleich genutzt werden
können.

1.3 Eine Möglichkeit, um Tiere im Bedarfsfall (z. B. Zucht, Unverträglichkeit oder
veterinärmedizinische Betreuung) unverzüglich abtrennen zu können, muss vorhan- den sein.
Abtrenngehege, die die Mindestanforderungen nicht vollumfänglich erfül- len, dürfen für die Haltung
von Tieren bis zu drei Monaten verwendet werden. Eine länger als drei Monate dauernde Unterbringung
in solchen Gehegen bedarf der Begründung und ist frühzeitig mit dem Amtstierarzt abzustimmen.

1.4 Quarantänegehege und –anlagen sowie Haltungen zur tiermedizinischen
Betreuung von Tieren, in denen die Tiere unter dauernder veterinärmedizinischer

Aufsicht stehen, sind Einrichtungen einer vorübergehenden Unterbringung und dürfen daher von den
Mindestanforderungen abweichen.

1.5 Pflege- und Aufnahmestationen z.B. in Zoos, Artenschutzeinrichtungen oder Tierheimen, die
die Mindestanforderungen nicht vollumfänglich erfüllen, dürfen bis zu drei Monate für die Haltung
von Tieren verwendet werden. Eine länger als drei Monate dauernde Unterbringung in solchen
Stationen bedarf der Begründung und ist mit dem Amtstierarzt abzustimmen.

1.6 Die Tierzahlen beziehen sich auf die höchstzulässige Zahl von erwachsenen Tieren in einem
Gehege der angegebenen Größe. Dazu dürfen im selben Gehege deren Jungtiere gehalten werden. Als
Jungtiere zählen in der Regel Tiere, die noch nicht geschlechtsreif sind, bzw. so lange, wie sie
unter natürlichen Bedingungen von der Mutter und männlichen Alttieren akzeptiert oder in der Gruppe
verbleiben wür- den. Abweichungen hiervon werden in den einzelnen Tierkapiteln behandelt.

1.7 Werden in einem Gehege mehrere Arten gehalten, welche den Raum in glei- cher Weise
nutzen, ist bei der Berechnung von Flächen und Raummaßen von jener Art mit den höheren
Anforderungen an die Gehegemindestgröße auszugehen. Die Flächen und Raummaße für die weiteren Tiere
dieser Art und für die Tiere der ande- ren Arten sind entsprechend den Anforderungen „für jedes
weitere Tier“ der jeweili- gen Art nach diesem Gutachten dazuzuzählen.

Der angebotene Raum muss von den gehaltenen Arten auch zeitgleich genutzt werden können.

1.8 Werden in einem Gehege mehrere Arten gehalten, die den Raum in unter- schiedlicher Weise
nutzen, so dürfen in der für die Art mit dem höchsten Anspruch an die Flächen und Raummaße nach
diesem Gutachten vorgesehene Gehegemindest- größe die übrigen Arten gehalten werden, ohne dass das
Gehege vergrößert werden muss, sofern dadurch keine Einschränkung in der Ausübung des arttypischen
Verhal- tens aller Tiere im betreffenden Gehege erfolgt.

1.9 Damit die gehaltenen Tiere mit möglichst vielen dem natürlichen Spektrum entsprechenden
Umweltreizen in Kontakt kommen, sind grundsätzlich frei zugängli- che Außengehege zur Verfügung zu
stellen; ausgenommen sind Arten, bei denen dies aufgrund ihrer speziellen biologischen Ansprüche
nicht möglich ist oder bei denen aus Sicherheitsgründen, z. B. bei Pflegemaßnahmen im Gehege,
Einschränkungen erforderlich sind.

Auf Außengehege kann verzichtet werden, wenn es zur Wissensvermittlung (z. B. Nachttierhäuser),
wegen der besonderen Haltungsform in einem nachgebildeten Öko-

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system (z. B. Tropenhalle) oder aus ähnlichen Gründen notwendig ist und den Ansprü- chen der
jeweiligen Tierart angemessen Rechnung getragen wird. Dies kann beispiels- weise durch geöffnete
Fenster oder Schiebetüren bzw. -dächer, durch die Sonnenlicht bei geeigneter Außentemperatur direkt
einstrahlen kann, durch ein für UV-Licht durchlässiges Gehegedach oder durch den Ansprüchen der
jeweiligen Tierart entspre- chende künstliche Beleuchtung mit ausreichender UV-Lichtversorgung des
Geheges erfolgen. In diesem Fall müssen die Maße der Innengehege mindestens dem größeren der für
Innen- und Außengehege vorgegeben Mindestraummaße entsprechen oder, falls Außen- und Innengehege
für bestimmte Tierarten zur gleichzeitigen Nutzung in diesem Gutachten ausdrücklich vorgeschrieben
sind, deren Gesamtmindestraummaß.

1.10 Die Gehege sind so zu gestalten und auszustatten, dass eine Verletzung oder
gesundheitliche Gefährdung der Tiere so sicher ausgeschlossen wird, wie dies nach dem Stand der
Technik möglich ist. Gehege dürfen im Grundriss keine spitzen Winkel und keine Sackgassen
aufweisen.

1.11 Der Boden muss so beschaffen sein, dass sich die Tiere artgemäß bewegen kön- nen und
Verletzungen und/oder Schäden vermieden werden. In Innengehegen muss der Boden für Landtiere
trittsicher (rutschfest) sein.

1.12 Badebecken sind regelmäßig zu reinigen oder über einen Filter sauber zu halten. Der Ein-
und Ausstieg muss allen Tieren problem- und gefahrlos möglich sein. Bei bestimmten Tierarten, u. a.
Flusspferden, ist eine Reinhaltung nur bedingt möglich.

1.13 Die Gehege müssen so gewartet, betrieben und gereinigt werden, dass auch dauerhaft die in
dem Gutachten genannten und sonstigen Ansprüche der darin gehaltenen Tiere erfüllt bleiben.

1.14 Durch entsprechende bauliche und erforderlichenfalls personelle Maßnahmen muss
grundsätzlich sicher gestellt sein, dass Tiere aus den Gehegen nicht entweichen.
Gehegebegrenzungen, z. B. Gitterzäune und Gräben, müssen für die Tiere erkennbar und so gebaut
sein, dass Unfälle vermieden werden.

1.15 Zum Schutz vor Verletzungen und Infektionskrankheiten ist dem Eindringen von Schadnagern
und Schädlingen in Innengehege durch geeignete Maßnahmen vor- zubeugen. Ebenso ist das Eindringen
von Beutegreifern in Gehege so weit wie mög- lich zu verhindern.

1.16 Die klimatischen Bedingungen müssen innerhalb des physiologischen Tole- ranzbereichs der
jeweiligen Art liegen. Das Klima in den Gehegen muss dementspre- chend unter Berücksichtigung der
tageszeitlichen und jahreszeitlichen Rhythmen angemessen reguliert sein.

1.17 Die Beleuchtung von Innengehegen mit Tages- oder Kunstlicht muss entspre- chend den
artspezifischen Bedürfnissen der gehaltenen Tiere erfolgen. Höhlenbe- wohnende nachtaktive Tiere,
die in Außengehegen gehalten werden, müssen die Möglichkeit haben, jederzeit eine Schlafbox
aufzusuchen.

1.18 Bei der Haltung im Außengehege muss bei Tierarten, für die ein Witterungs- schutz
erforderlich ist, dieser für alle Tiere im Gehege ausreichen.

1.19 In Stallungen oder Innengehegen muss eine ausreichende Frischluftversor- gung und
angemessene Luftzirkulation frei von Zugluft gewährleistet sein. Die Luft
soll möglichst staubarm sein.


Quelle : https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Tiere/Tierschutz/HaltungSaeugetiere.html