Hunde (Canidae)

Die Familie der Hundeartigen umfasst 35 Arten. Etwa die Hälfte wird in deutschen Zoos gehalten.

21.5.1 Gehegeanforderungen

Hundeartige haben, im Gegensatz zu ähnlich großen Säugetieren, relativ viele Junge pro Wurf, und
bei manchen Arten bleiben diese Nachkommen – auch in der Natur – noch längere Zeit, d. h. auch noch
als junge Erwachsene, in der Familiengruppe. Da die Unter- bringung einer größeren Zahl
gleichzeitig herangewachsener Jungtiere Zeit beanspru- chen kann, empfiehlt es sich, bei der
Haltung potentieller Zuchttiere die Gehege so zu dimensionieren, dass sie einem Wurf junger,
bereits erwachsener Tiere Platz bieten.
Raumbedarf
Bei Gehegen mit gewachsenen Böden oder bei extensiver Haltung sind die unten genannten
Mindestgehegemaße zu verdoppeln, im Fall von Wolf, Afrikanischem Wildhund und Rothund zu
verdreifachen. Bei der Haltung von mehr als einer Famili- engruppe müssen die Familiengruppen
trennbar sein. Bei dauerhafter Trennung sind Gehege für jede Familiengruppe vorzuhalten, die
vollumfänglich die Mindestanforde- rungen erfüllen. Außer beim Waldhund beziehen sich die folgenden
Angaben auf Außengehege. Arten aus Wüstenregionen benötigen Innengehege, für welche diesel- ben
Anforderungen gelten wie für die Außengehege. Kleine, ausgesprochen nachtak- tive Arten können auch
in Nachttierhäusern gehalten werden.

Fennek (Vulpes zerda): Mindestens 15 m2 pro Paar; für jedes weitere erwachsene Tier 5 m2 mehr.

Mittelgroße Füchse wie Polarfuchs (Vulpes lagopus), Steppenfuchs (Vulpes corsac): Mindestens 30 m2
pro Paar; für jedes weitere erwachsene Tier 10 m2 mehr.

Größere Füchse wie Rotfuchs (Vulpes vulpes), Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus), südamerikanische
Füchse: Mindestens 40 m2 pro Paar; für jedes weitere erwachsene Tier 15 m2 mehr.
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Löffelhund (Otocyon megalotis): Mindestens 30 m2 pro Paar; für jedes weitere erwach- sene Tier 10
m2 mehr.

Marderhund (Nyctereutes procyonoides): Mindestens 30 m2 pro Paar; für jedes wei- tere erwachsene
Tier 10 m2 mehr.

Waldhund (Speothos venaticus)

Außengehege: Mindestens 40 m2 pro 4 Tiere; für jedes weitere erwachsene Tier 4 m2 mehr.

Innengehege: Mindestens 12 m2 pro 4 Tiere; für jedes weitere erwachsene Tier 4 m2 mehr.

Schakale (Canis adustus, C. aureus, C. mesomelas): Mindestens 80 m2 pro Paar; für jedes weitere
erwachsene Tier 20 m2 mehr.

Rothund (Cuon alpinus), Kojote (Canis latrans): Mindestens 100 m2 pro Paar; für jedes weitere
erwachsene Tier 30 m2 mehr.

Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus): Mindestens 150 m2 pro Paar; für weitere erwachsene Tiere mehre
Gehege erforderlich.

Wolf (Canis lupus), Afrikanischer Wildhund (Lycaon pictus): Mindestens 300 m2 pro Paar; für jedes
weitere erwachsene Tier 20 m2 mehr.
Gehegeeinrichtung
Gehegeboden: Naturboden (wie gewachsen) oder anderes geeignetes Substrat; Sand- plätze für
Komfortverhalten. Bei der Haltung von mehr als einem Paar sind Sicht- blenden (Stämme, Felsen,
Gebüsch etc.) und Rückzugsmöglichkeiten erforderlich.
Eine Seite des Geheges soll als für die Besucher nicht einsehbare Ruhezone gestaltet sein. Weitere
notwendige Elemente sind erhöhte Flächen zum Liegen und als Aus- guck, Schatten und Sonnenplätze;
im Außengehege evtl. gedeckte Stellen als Regen- schutz einrichten. Für Waldhunde sind Badebecken
erforderlich. Bei manchen Arten, wie dem Waldhund, sind kleine Wasserläufe wünschenswert. Bei allen
Arten sind Schlafboxen erforderlich. Die Anzahl der Wurf- und Schlafboxen soll etwas höher als die
Anzahl der Tiere in der Gruppe sein.
Gehegebegrenzung
Es sind Umzäunung mit Überhang nach innen, auch glatte Wände bzw. Gräben mög- lich. Vor allem
kleine Arten, wie Füchse und Schakale, aber auch Wölfe, wenn sie Kämpfen ausweichen wollen,
klettern und springen äußerst hoch (bis zu 2,8 m). Fast

alle Arten graben, deshalb sind die Umzäunung bzw. Wände mit Fundament und Untergrabschutz von
mindestens 60 cm Tiefe zu versehen.

21.5.2 Klimatische Bedingungen

Winterharte Arten benötigen witterungsgeschützte Deckung. Hunde tropischer Herkunft können nach
Eingewöhnung ganzjährig in Außengehegen gehalten werden, wenn sie Zugang zu witterungsgeschützten
und temperierten Schlafboxen (18 °C) haben. Arten aus Wüstenregionen sind bei nasskalter Witterung
in Innengehegen zu halten.

21.5.3 Haltungsansprüche

Sozialgefüge/Vergesellschaftung: Wolf, afrikanischer Wildhund und asiatischer Rot- hund leben in
Familiengruppen mit ausgeprägter Rangordnung und setzen sich übli- cherweise aus Elterntieren,
ihrem aktuellen Nachwuchs sowie den Jungtieren des letzten Jahres zusammen. Die meisten anderen
Arten leben typischerweise paarweise. Ältere Nachkommen wandern in freier Wildbahn ab. Bei der
Haltung soll das Sozial- gefüge dem im Freiland möglichst weitgehend entsprechen. Statt der
natürlichen Abwanderung sind von vorneherein angemessene Lösungen zu schaffen, da sonst mit
heftigen sozialen Spannungen bis zur gegenseitigen Tötung gerechnet werden muss. Eine willkürliche
Zusammenführung und Gemeinschaftshaltung einander fremder erwachsener Wölfe führt zu ähnlichen
Problemen.

Füchse und Löffelhunde können mit größeren Säugetieren vergesellschaftet werden. Bei der
Vergesellschaftung mit Raubtieren benötigen sie leicht erreichbare Rückzugs- möglichkeiten. In
großen Gehegen können Wölfe oder Kojoten mit Braunbären oder Schwarzbären vergesellschaftet werden,
benötigen aber in jedem Fall zusätzlich ein eigenes Gehege, das die Mindestanforderungen erfüllt.

Lebensraumbereicherung: Durch verschiedene Formen der Futterdarbietung, z. B. Futterlaufbahnen mit
verschiedenen Startpunkten, Futterklappen im Gehege, die zu unterschiedlichen Zeiten geöffnet
werden können, sowie in Büschen und Bäumen erreichbar verteilte, kleinere Futtertiere. Angesätes
Gras anbieten. Geruchliche Reize, wie das Verteilen von Kot natürlicher Beutetiere im Gehege, sind
essentiell. Das Ein- bringen ungewohnter Gegenstände zur Beschäftigung, wie Pappröhren, Kartons,
Knabberholz, geflochtene Weidenkörbe, Bälle, ist empfehlenswert. Für Tiere größerer Arten frische
Schaf- oder Ziegenfelle aufhängen.

21.5.4 Tierbestandsmanagement

Bei einer Neuanlage sollen nur nicht verwandte Jungtiere eingesetzt werden, um Inzucht zu
vermeiden. Bei nicht in größeren Familiengruppen lebenden Arten sind

die Jungtiere rechtzeitig abzusetzen. Eine umfassende Planung zum Reproduktions- management
einschließlich Bestandskontrolle soll vor Beginn des Betreibens einer Anlage vorliegen.

21.5.5 Fütterung/Ernährung

Für große Arten Fleisch mit Knochen oder ganze Futtertiere, für die kleineren vorwie- gend frisch
getötete, ganze Futtertiere oder Fleischstücke mit Zusätzen pflanzlicher Nahrung. Allgemein sind
Zusätze von Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitami- nen erforderlich. Mähnenwölfe, Wald- und
Marderhunde benötigen besonders ab- wechslungsreiche Kost aus Kleintieren, Fisch, Eiern, Obst und
Gemüse. Löffelhunde sind auf Insektennahrung spezialisiert.

21.5.6 Pflege und Betreuung

Mensch-Tier-Interaktionen: Fang mit Kescher oder nach medikamentöser Ruhigstel- lung. Transport
einzeln, das Tier muss in der Kiste ausgestreckt liegen und aufrecht stehen können. Kisten für Wolf
und Wildhund müssen mit Blech ausgeschlagen
sein.

Tierärztliche Betreuungshinweise: –
Besonderheiten: –